1. Frau Mast, am Ende haben Sie sich doch durchgesetzt. Werksverträge in der Fleischindustrie gehören ab 2021 im Gros der Vergangenheit an. Wie hart war der Kampf in Berlin? 


Sehr intensiv und bis zur letzten Sekunde. Wir sind noch nicht über der Zielgeraden. Jetzt kommt die  Arbeit am Gesetz und die Verabschiedung im Bundestag. Da sind alle gefordert, jetzt standhaft zu bleiben. Ich werde für die SPD-Fraktion verhandeln. Der Beschluss der Bundesregierung zeigt, dass sich die Klarheit und das Engagement der SPD gelohnt haben. Ich will mich bei allen bedanken, die mir in den letzten Wochen den Rücken gestärkt haben. Der Erfolg heute ist ein Erfolg der Bevölkerung. Das Thema begleitet mich persönlich schon seit 2005. Das Ziel für mich ist klar: Hart arbeitende Menschen, häufig ohne Arbeitszeit- und ausreichenden Arbeitsschutz, die in teils überteuerten Unterkünften hausen und zu hunderten krank geworden sind, brauchen starke Arbeitnehmerrechte und faire Arbeitsbedingungen. Europa muss auch hier positiv zu spüren sein. 


 2. Sie haben in den vergangenen Tagen auch immer wieder an Müller-Fleisch Kritik geübt. Wie hätte sich der Betrieb Ihrer Meinung nach verhalten sollen in der Krise? 


Ich habe Unternehmen keine Verhaltenstipps zu geben. Mir geht es darum, dass sich die Unternehmer in der Fleischindustrie nicht über ein Vertragsgeflecht mit Subunternehmern und Vermietern aus der Verantwortung für die Arbeits- und Unterkunftsbedingungen ziehen können. Gibt es wie bei Müller Fleisch so viele Corona-Fälle, sehe ich sie auch in der Pflicht, die Kosten zu tragen. Mir geht es aber um mehr. Ich lehne das Geschäftsmodell fast der gesamten Fleischindustrie ab, denn es wird auf dem Rücken von Beschäftigten ausgetragen. Für mich gilt der einfache Satz: Wer Geld mit dem Geschäft verdient, ist auch verantwortlich – wenn es nicht läuft, wie es soll und für menschenwürdige Bedingungen. Ob die Firma Müller Fleisch, Westfleisch, Vion oder Tönnies heißt, ist mir dabei egal.  

3. Reicht der Beschluss aus Berlin aus, um die Wohnverhältnisse der Beschäftigten zu verbessern? 


Ich mache mir keine Illusion. Das darf keine Eintagsfliege bleiben. Ich werde so lange dranbleiben, bis sich das komplett geändert hat. Wir haben auch in der Vergangenheit bereits Gesetze auf den Weg gebracht. Und das gilt auch in Zukunft. Das ist keine Frage, die mich ausschließlich in Zeiten von Corona beschäftigt. 

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