Die Corona-Pandemie bestimmt unseren Alltag und das bekommt auch der Ausbildungsmarkt zu spüren. Laut SPD-Bundestagsabgeordneter und Fraktionsvizin Katja Mast ergibt sich in der Region „ein alarmierendes Bild“. Aus vielen Bereichen sei die Sorge um die Lage des Ausbildungsmarktes an sie herangetragen worden, weshalb sie zu einem Fachgespräch eingeladen hatte. Knapp 20 Personen aus der Region waren dabei. Für einen fachlichen Input konnte die Chefin der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, Martina Lehmann, gewonnen werden. Teilnehmer kamen von Seiten der Verwaltung (Katja Kreeb, Sozialdezernentin; Natalie Hohenstein, Leiterin Jobcenter Pforzheim), des Handwerks (Matthias Morlock, Geschäftsführer Kreishandwerkerschaft Pforzheim und Enzkreis; Timo Gerstel, Kfz-Innungsmeister), den Gewerkschaften (Susanne Nittel, DGB-Regionssekretärin), der Bundesagentur für Arbeit und Trägern von Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen (Arbeitgeberservice, BBQ, IB, Stiftung Lernen-Fördern-Arbeiten).

„Es gibt noch viele freie Ausbildungsplätze – bewerbt euch!“ Ausbildung ist eine Investition in die Zukunft – für Betriebe, für die Jugendlichen selbst und für unser Land. Der Wohlstand in unserer Region ist sehr eng mit der Ausbildung von Fachkräften verbunden“, so Mast. Zur Sicherung dieser Fachkräfte seien gut ausgebildete Menschen unersetzlich. Für Mast sind „akademische Ausbildung und Handwerk gleichwertig“, eine Ausbildung biete „tolle Perspektiven“. „Auch in Berlin habe ich mit vielen Gesetzen die Grundlagen für die starke Unterstützung und Hilfen in der Region gelegt. Eine sehr gute Vernetzung und Zusammenarbeit der Akteure hilft dies gut umzusetzen. Kein Jugendlicher und kein Betrieb werden alleingelassen. Zusammen – gerade mit der Agentur für Arbeit und den Jobcentern – gibt es passgenaue Lösungen“, so Mast.

Weiter sieht sie Weiterbildung als zentrales Instrument im Strukturwandel, der sich mit demografischen Wandel und in Bemühungen um eine Reduktion der CO2-Emissionen in der Region, im Vergleich zu anderen Regionen im Land, besonders stark bemerkbar mache. Diese Einschätzung wurde gestützt von Seiten des Handwerks. Beispielsweise, um den sich ändernden Bedingungen im Bereich Auto und Mobilität zu begegnen. „Wir müssen einen Berufstand umkrempeln. Dafür brauchen wir Fachkräfte“, so Kfz-Innungsmeister Timo Gerstel. Man müsse hierbei den Blick auf die Abschlussquote lenken und nicht nur auf die Anzahl neu abgeschlossener Lehrverträge schauen, so Gerstel, dem die steigende Abbruchquote in seiner Branche Sorgen bereitet. Und Informationen zur dualen Ausbildung gehörten in allen Schularten zur Berufsorientierung dazu.

Im Kampf um gute Ausbildungsplätze habe der Bundestag mit der Bundesregierung, so Mast, ordentlich vorgelegt. So wurde das Bundesprogramm ‚Ausbildungsplätze sichern‘ nicht nur verlängert, sondern stark erweitert. Die Ausbildungsprämien würden verdoppelt und noch mehr kleine und mittlere Unternehmen könnten diese Unterstützung in Anspruch nehmen. Das führe, so die Vizechefin der SPD-Bundestagsfraktion, zu „weniger Risiko auf der einen Seite und mehr Chancen auf der anderen.“ Unser Signal ist ganz deutlich: Wir kämpfen um jeden Ausbildungsplatz. Weil wir alle zusammen davon nach der Krise profitieren werden. Und weil die Jugend unsere Zukunft ist“, so Mast. Das gelte besonders mit Blick auf die Corona-Krise.

Laut Agenturchefin Martina Lehmann wirke sich die Pandemie, gepaart mit dem Strukturwandel in der Region, massiv auf den Arbeits- und Ausbildungsmarkt aus. Berufsberatung und lebensbegleitende Weiterbildung werde immer wichtiger, nicht nur für Schulabgängerinnen und Schulabgänger, die die Qual der Wahl hätten, sondern auch für die überdurchschnittlich vielen an- und ungelernten Beschäftigten, die man in der Zukunft als top ausgebildete Fachkräfte benötige. „Wir haben einen riesigen Strauß an virtuellen Angeboten für Jugendliche und ihre Eltern auf den Weg gebracht – von der Azubi-App über Check-U bis zur Videoberatung. Das wird alles sehr gut angenommen und trotzdem freuen sich meine BerufsberaterInnen natürlich riesig, dass sie nun wieder vermehrt Face to Face da beraten können, wo die Jugendlichen sind – nämlich an den Schulen. Bezogen auf die dringend notwendige, zukunftsgerichtete Weiterbildung von Arbeitslosen und Beschäftigten haben wir für die Region schon viel erreicht“, so Lehmann. Zusätzlich sollten Umschulungen künftig im Einzelfall auch in der Regelausbildungsdauer gefördert werden können. „Das sichert die Fachkräfte gerade hier bei uns“, sind sich Martina Lehmann und Matthias Morlock einig.

Wie wichtig eine niederschwellige und flächendecke Beratung Jugendlicher ist, betonte auch Kreishandwerks-Geschäftsführer Matthias Morlock, denn „Handwerksbetriebe suchen auch aktuell noch dringend Lehrlinge für das im September beginnende neue Lehrjahr“. Dies zeige eine aktuell von der Kreishandwerkerschaft unter ihren 20 angeschlossenen Fachinnungen durchgeführte Umfrage. „Die Lage ist brandgefährlich: Betriebe stoßen bei Aufträgen zunehmend an ihre Grenzen, weil ihnen schlichtweg genügend qualifiziertes Personal hierfür fehle, so Morlock.

Share and Enjoy !

0Shares
0 0