Dialog über Gleichstellung in Pforzheim und dem Enzkreis | Mast: "Chancengleichheit ist für mich eine Frage der Gerechtigkeit"

15.05.2026

Gleichstellung ist kein "Frauenthema", sondern eine Zukunftsfrage für die gesamte Gesellschaft. Unter diesem Leitsatz traf sich die SPD-Bundestagsabgeordnete für die Menschen in Pforzheim und dem Enzkreis Katja Mast zu einem intensiven Austausch mit Gleichstellungsbeauftragten und Fachfrauen des Themas aus Pforzheim und dem Enzkreis. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die strukturellen Hürden, die Frauen im Berufsleben noch immer benachteiligen: die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch in Führungsposition, die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit sowie die Realität der Teilzeitbeschäftigung. Weiter wurde auch die und Inklusion von Männern in der Gleichstellungsarbeit sowie der Gewaltschutz von Frauen thematisiert.

"Gleichstellung und Chancengleichheit sind für mich zentrale politische Aufgaben und eine Frage der Gerechtigkeit", betonte Katja Mast. Gemeinsam mit Halimatou Camara (Beauftragte für Chancengleichheit der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim), Ilona Rathgeber (Beauftragte für Chancengleichheit des Jobcenter Enzkreis), Kinga Golomb (Gleichstellungsbeauftragte des Enzkreises), Lea Niewerth (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Pforzheim), Susanne Schneider (Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule Pforzheim) und Nathalie Schönfeld (Gemeinderat Pforzheim) analysierte sie die Situation in der Region. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen bundesweit bei 16 Prozent liegt, weist Baden-Württemberg mit rund 20 Prozent eine noch größere Lücke auf. Ein Hauptgrund bleibt die ungleiche Verteilung der Sorgearbeit.

 

Halimatou Camara von der Agentur für Arbeit Pforzheim-Nagold bestätigte dies mit Blick auf den Arbeitsmarkt: "Gerade zugewanderte Fachkräfte, vor allem Frauen mit guten Abschlüssen, sind auf schnelle Verfahren und einen Arbeitsmarkt angewiesen, der ihre Kompetenzen wahrnimmt". Ilona Rathgeber, Beauftragte für Chancengleichheit des Jobcenter Enzkreis, ergänzt: "Das Thema Kinderbetreuung beschäftigt uns dauerhaft - aber Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt bedeutet mehr. Instrumente wie die Teilzeitausbildung schaffen neues, bisher ungenutztes, vor allem weibliches, Potenzial gegen den Fachkräftemangel". Dazu betonte Lea Niewerth, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Pforzheim, die kommunale Verantwortung: "Frauen in Führungspositionen sind rar, weil die Rahmenbedingungen nicht zu Familien und den Herausforderungen von Frauen passen. Hierfür gibt es moderne Lösungen, die auf allen Ebenen etabliert werden müssen". Dass diese Diskrepanz kein individuelles Problem ist, verdeutlichte auch Kinga Golomb. Die Gleichstellungsbeauftragte des Enzkreises berichtete aus der regionalen Praxis: "Gleichstellungsthemen sind Antworten auf strukturelle Probleme, deshalb ist die Vernetzung von Kräften auf dem Arbeitsmarkt, der kommunalen Ebene und der Bundespolitik zentral. Dazu gehören Vorhaben wie die Abschaffung des Ehegattensplittings genauso wie die Entlastung pflegender Angehöriger".

Für Mast ist klar: "Wir sind von echter Gleichstellung noch ein gutes Stück entfernt. Es braucht strukturelle Antworten auf diese Zahlen." Daran arbeiten wir im Bund, u.a. durch die Entgelttransparenzrichtlinie und den Ganztagsanspruch für Grundschulkinder, der ab dem kommenden Schuljahr schrittweise eingeführt wird.

 

Ein weiterer Schwerpunkt war die Arbeitszeitgestaltung. Dass jede zweite Frau in Teilzeit arbeitet, sei oft keine freiwillige Entscheidung: "Von einer sogenannten ,Lifestyle-Teilzeit' kann keine Rede sein. Fehlende Betreuungsangebote halten viele Frauen ungewollt in Teilzeit", so Mast.              

 

Auch der Gewaltschutz spielt eine wichtige Rolle im Gespräch, denn wer Gewalt erfährt, der verliert oft die Kraft, den eigenen beruflichen und persönlichen Weg weiterzuverfolgen. Ein verlässliches Hilfesystem und geschützte Räume sind daher nicht nur eine Frage der Sicherheit, sondern eine Grundvoraussetzung dafür, dass betroffene Frauen überhaupt die Chance auf ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben behalten.

Nathalie Schönfeld, Stadträtin zur Betreuungssituation in Pforzheim "Der Einsatz für gebührenfreie Bildung ist ein langer Kampf - das sehen wir vor allem bei der Frage der Kita-Betreuung. Für uns als Fraktion mit dem höchsten Frauenanteil im Pforzheimer Gemeinderat ist der Fokus aber klar: Haushaltskürzungen dürfen nicht automatisch Kürzungen bei Gleichstellungsthemen und Frauen bedeuten". Auch im akademischen Bereich und in der Stadtverwaltung sind diese Hürden Thema. Susanne Schneider (Hochschule Pforzheim) beleuchtete die Perspektive der Qualifizierung: "Die Sichtbarkeit von Gleichstellungsarbeit ist essenziell für die Motivation von Frauen auf dem akademischen Bildungsweg - diese schaffen wir mit unserer Arbeit." 

Abschließend vereinbarten die Teilnehmerinnen, den konstruktiven Dialog fortzusetzen und die regionale Vernetzung weiter zu stärken, um die Situation für die Frauen vor Ort gemeinsam zu verbessern.